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Adoptiert // #tobehonest

by grossstadtklein

„Ich bin adoptiert, deswegen sind meine Eltern auch schon ein wenig älter.“

„Oh, achso. Mhh. Und wie ist das so für dich? Also nur wenn du darüber reden möchtest?“

„Ziemlich cool um ehrlich zu sein, ist eine wunderschöne Geschichte!“


Exakt diesen Dialog habe ich so oft geführt, ich könnte es nicht an zwei Händen abzählen. Neun von zehn Reaktionen sind eher schüchtern, obwohl doch fast jeder jemanden kennt, der adoptiert wurde. 

In meinem Fall ist das eine wunderbar großartige Geschichte. Der Weg dorthin, das so zu sehen, war jedoch auch für mich ein steiniger. 

Ich bin adoptiert. Sonderbar. Die einzige, in der Klasse, die dieses Label trägt. Ja fast in der ganzen Schule. Sonderbar oder besonders? Ich war selbst oft hin- und hergerissen. Wer kann schon sagen „ich habe zwei Mamas, eine Herz- und eine Bauchmama“. Die meiste Zeit fühlte ich mich aber mehr sonderbar als besonders dadurch. Denn als ich jünger war, überwog nicht der Gedanke, dass mich eine Familie unbedingt wollte. Sondern der, dass mich die Frau, die mich gebar, nicht wollte. Zwei Seiten der Medaille und ich war zu sehr auf die falsche, auf die vollkommen unrelevante, fokussiert. Gerade in einem Alter, in dem man ohnehin versucht, seine Identität zu ermitteln, zu formen. War nicht immer leicht, das Große ganze zu sehen und erst recht: zu verstehen. 

Das Leben hat es wahnsinnig gut mit mir gemeint. Zufall, Karma, Schicksal – was auch immer es war. Aber es führte dazu, dass ich im Alter von einem halben Jahr am 23.12.  bei meinen Eltern

Anmerkung I: Eltern sind immer die zwei großartigen Menschen, die mich seitdem großgezogen haben.

Anmerkung II: Respekt!) 

einen Tag vor Weihnachten einfach an der Haustür übergeben wurde. Da war ich nun. Meine Eltern sind am selben Tag mitten im Weihnachtstrubel losgefahren um die Grundausstattung für ein Baby zu kaufen, denn ich kam für die beiden tatsächlich aus heiterem Himmel. Und da war es, mein erstes Weihnachten im Rahmen von Menschen, die mich vom ersten Tag an bedingungslos geliebt haben und unvorhergesehen Weihnachten nun mit einem Baby feierten. Damals hatten die beiden glaube ich noch nicht vor, ein Kind zu adoptieren, aber ich habe mir sagen lassen, dass sie mich sofort ins Herz geschlossen haben. Und das mag was heißen, denn ich sah aus wie Gollum und hatte bis zum Alter von drei Jahren keine Haare auf dem Kopf. Ein schöner Bub eben. 

Vier Jahre später wurde die Adoption rechtskräftig. Stempel vom Notar, Änderung des Geburtsnames. It’s official! Vier Jahre haben meine Eltern gekämpft, denn, man glaubt es kaum, aber eine Adoption bringt viel Bürokratie mit sich und wohl viel zu häufig große Hürden. Ich bin dankbar, dass meine Eltern so festentschlossen waren. 

Mir hat es nie an etwas gefehlt und ich hätte nicht behüteter aufwachsen können und meine Eltern haben mich mit viel Mühe auf einen guten Weg gebracht. Ich weiß genug über meine Herkunft um sagen zu können, wäre es anders gelaufen, ihr würdet hier nicht von mir lesen. 

In unserer Familie ist das unser aller kleines Weihnachtswunder (für mich eher das Größte). Deshalb verteile ich meine Weihnachtsgeschenke an meine Eltern auch schon Stück für Stück in der Vorweihnachtszeit, weil ich Weihnachten nicht den Fokus auf Geschenke sondern auf uns als Familie habe und Weihnachten für mich ganz persönlich ein kleiner zweiter Geburtstag ist. 

Ich kann mir gerade aufgrund der Vorgeschichte zu 100% vorstellen, ein Kind zu adoptieren. Weil ich selbst erfahren hab, dass Liebe hier keine Grenzen kennt. 

Meine kleine Weihnachtsgeschichte. Adoption, kein Label mehr für mich.

Eine schöne Vorweihnachtszeit wünsche ich euch, genießt die Zeit mit euren Liebsten.

xx

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